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Das doppelte Selbstexperiment: Zwei Monate vegetarisch und plastikreduziert

Ich bin Lisa, 20 Jahre alt und aus Frankreich. Als ich von der Idee im Rahmen eines Selbstexperimentes für einen gewissen Zeitraum nachhaltiger zu leben, hörte, sah ich sofort einen perfekten Anlass für mich auch etwas auszuprobieren. Seit längerer Zeit möchte ich meinen Abfall reduzieren und mich bewusster ernähren, aber ich wusste nicht, wo ich anfangen soll. Da mein Freund nicht unbedingt die umweltfreundlichste Person ist und wir die meisten Mahlzeiten zusammen essen, wollte ich mit etwas beginnen, das auch für ihn machbar ist. Also fing ich mit zwei Monaten vegetarischer Ernährung an. Zusätzlich wollte ich mich selbst herausfordern und entschied mich daher, meinen Plastikmüll auf ein Minimum zu reduzieren.

Gemeinsam haben wir die erste Hürde genommen

 

Ich werde nicht lügen: es war nicht immer einfach, vegetarisch und plastikfrei zu leben. Ich erinnere mich noch, dass ich am Tag bevor das Experiment begann, Raclette und eine köstliche französische Wurst gegessen habe. Ich konnte mir nur schwer vorstellen, vom einen Tag auf den anderen zu versuchen, überhaupt kein Fleisch mehr zu essen. Allerdings realisierte ich schnell, dass ich gar kein Bedürfnis danach hatte, solange ich nicht von anderen in Versuchung gebracht wurde. Ich bin sehr dankbar, dass mein Freund zumindest am Anfang die Erfahrung mit mir teilte, denn das half mir bei der Überwindung zum ersten Schritt. Entscheidend komplizierter wurde es, als er sich entschied, die Einschränkungen nicht mehr hinzunehmen, und als Freunde mich zu einem Barbecue oder in ein Restaurant einluden. In solchen Momenten teilte ich ihnen mein Vorhaben mit und entschied mich für die vegetarische Option. So genoss ich mein Essen und die gemeinsame Zeit.

 

Kleine Ausrutscher sind menschlich!

 

Der schwierigste Moment war, als ich nach Hause kam und meine Mutter Hühnchen gekocht hatte. Obwohl ich ihr von dem Experiment erzählt hatte, war das Hühnchen schon auf dem Tisch als ich ankam – traditionell gekocht mit Kartoffeln von einem regionalen Bauern und köstlich duftend. Dazu gab es nur wenig. Meine Befürchtung war daher, es nicht ersetzen zu können. Ich probierte also, denn ich konnte einem kleinen Stück nicht widerstehen. Danach bereute ich es sofort, da ich mir eigentlich selbst beweisen wollte, dass ich die Disziplin habe, zu widerstehen. Doch in diesem Moment hatte ich sie nicht. Ich schätze, das macht mich menschlich und ich bin immer noch stolz darauf zu sehen, dass mich das Experiment viel über meine Grenzen, Bedürfnisse und Wünsche gelehrt hat. Und auch, wie ich diese unterscheiden kann.

Die absurden Plastikmengen stachen auf einmal ins Auge

 

Dank des Plastikfrei-Experiments wurde mir bewusst, wie absurd die Menge an Plastikverpackungen in Geschäften ist. Eines Tages verließ ich ein Geschäft mit leeren Händen, da es keine Lebensmittel gab, die ich kaufen konnte. Ich habe während des Experiments gelernt, einige Verpackungen nachhaltig zu ersetzen. Eine Möglichkeit dafür sind unverpackt-Läden, zu denen man eigene, wiederverwendbare Verpackungen mitbringt. Ich war manchmal echt frustriert, weil ich spezielle Produkte wie Mozzarella nicht fand oder weil ich bestimmte Lieblingsgerichte nicht kochen konnte. Es war ganz schön knifflig, denn ich musste lernen, so manche Gewohnheit umzustellen, umzudenken und Inspirationen für Gerichte zu finden. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass man mit der Zeit lernt sich anzupassen. Obwohl ich nicht ganz plastikfrei gelebt habe, hoffe ich immer noch, dass mein Experiment positive Auswirkungen auf die Umwelt hatte.

 

Mein Fazit: Es lohnt sich!

 

Ich werde definitiv weiterhin ernährungs- und abfallbewusster leben und mein Bestes im Alltag versuchen. Dennoch schränken solche Experimente euch in euren Entscheidungsmöglichkeiten ein, daher braucht ihr Organisation und ein bestärkendes Umfeld. Es wird auf jeden Fall einfacher, wenn ihr die Menschen, mit denen ihr euer Leben teilt, zum Mitmachen zu motiviert. Es wird euch bestärken und ihr könnt euch gegenseitig unterstützen, wenn jemand mal Schwierigkeiten bei der konsequenten Umsetzung hat. Es ist wahrscheinlich auch besser, nur ein Experiment auf einmal machen, denn ich war weder richtig zufrieden mit meinen Bemühungen, vegetarisch zu sein, noch hatte ich das Gefühl, 100% ohne Plastik einkaufen zu können. Indem man sich auf ein Ziel konzentriert und über die Thematik genauer informiert, hat man bessere Aussichten auf ein erfolgreiches Ergebnis. Glaubt an euch selbst, redet mit euren Freunden und eurer Familie darüber, denn ich kann euch sagen: es lohnt sich, dem Hühnchen oder dem Mozzarella zu widerstehen!

 

Viel Glück mit eurem Selbstexperiment und eurem Einkauf!

 

Zur Inspiration: Meinen ersten Einkauf seht ihr hier:

Kontakt

Sarah Meyer-Soylu

sarah.meyer@kit.edu  |  +49 721 608-23993

 

Eva Wendeberg

eva.wendeberg@kit.edu  |  +49 721 608-24841

 

Susanne Veith

susanne.veith@kit.edu  |  +49 721 608-26348

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